.\" -*- coding: UTF-8 -*-
.\" Copyright (C) 1994, 1995, Daniel Quinlan <quinlan@yggdrasil.com>
.\" Copyright (C) 2002-2008, 2017, Michael Kerrisk <mtk.manpages@gmail.com>
.\" Copyright (C) 2023, Alejandro Colomar <alx@kernel.org>
.\"
.\" SPDX-License-Identifier: GPL-3.0-or-later
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.TH proc_pid_oom_score_adj 5 "2. Mai 2024" "Linux man\-pages 6.9.1" 
.SH BEZEICHNUNG
/proc/pid/oom_score_adj \- OOM\-Killer\-Bewertungsanpasssung
.SH BESCHREIBUNG
.TP 
\fI/proc/\fPPID\fI/oom_score_adj\fP (seit Linux 2.6.36)
.\" Text taken from Linux 3.7 Documentation/filesystems/proc.txt
Diese Datei kann zur Anpassung der Schlechtigkeitsheuristik verwandt werden,
die eingesetzt wird, um in Speicherknappheitssituationen den zu beendenden
Prozess auszuwählen.
.IP
Die Schlechtigkeits\-Heuristik weist jedem möglichen Prozess einen Wert von 0
(niemals töten) bis 1000 (immer töten) zu, um zu bestimmen, welcher Prozess
infrage kommt. Der Wert beschreibt im Wesentlichen den kontinuierlichen
Anteil des erlaubten Speichers, aus dem sich der Prozess Speicher zuweisen
darf. Als Grundlage dient dazu der aktuelle verwendete Speicher und
Auslagerungsspeicher. Wenn ein Prozess beispielsweise sämtlichen erlaubten
Speicher nutzt, ist dessen Schlechtigkeitsbewertung bei 1000. Nutzt er die
Hälfte des erlaubten Speichers, beträgt die Bewertung 500.
.IP
Es gibt einen weiteren Faktor in der Schlechtigkeitsbewertung:
Root\-Prozessen wird 3% zusätzlicher Speicher gegenüber anderen Prozessen
gegeben.
.IP
Die Menge des »erlaubten« Speichers hängt von dem Kontext ab, in dem der
OOM\-Killer aufgerufen wurde. Falls der Kontext ist, dass der oder die
Prozessoren ausgelastet sind, entspricht der erlaubte Speicher dem Speicher,
der diesem Cpuset zugewiesen ist (siehe \fBcpuset\fP(7)). Falls der oder die
Mempolicy\-Knoten erschöpft ist/sind, repräsentiert der erlaubte Speicher die
Mempolicy\-Knoten. Falls eine Arbeitsspeicher\- (oder Auslagerungsspeicher\-)
Grenze erreicht wurde, entspricht der erlaubte Speicher dieser
Grenze. Sollte das gesamte System keinen Speicher mehr übrig haben, steht
der erlaubte Speicher für alle verfügbaren Ressoucen.
.IP
Die Wert aus \fIoom_score_adj\fP wird zur Schlechtigkeitsbewertung hinzugefügt,
bevor dieser zur Ermittlung des zu tötenden Prozesses verwendet
wird. Zulässige Werte liegen zwischen \-1000 (OOM_SCORE_ADJ_MIN) und +1000
(OOM_SCORE_ADJ_MAX), einschließlich dieser. Dies ermöglicht auf
Anwendungsebene die Einstellungen für das OOM\-Killern zu steuern; dies
reicht von der permanentes Bevorzugen eines bestimmten Prozesses oder deren
vollständige Deaktivierung des OOM\-Killers für ihn. Der niedrigste mögliche
Wert von \-1000 ist gleichbedeutend mit der vollständigen Deaktivierung des
OOM\-Killers für diesen Prozess, da dieser stets eine
Schlechtigkeitsbewertung von 0 meldet.
.IP
Infolgedessen ist es für die Anwendungsebene sehr einfach, die Speichermenge
zu definieren, die für jeden Prozess in Betracht gezogen wird. Die
Festlegung eines Wertes von +500 für \fIoom_score_adj\fP ist beispielsweise
etwa gleichbedeutend damit, dass die übrigen Prozesse, die das gleiche
System, Cpuset, Mempolicy oder Speicher\-Controller\-Ressourcen mit verwenden,
mindestens 50% mehr Speicher verwenden. Andererseits wäre ein Wert von \-500
etwa gleichbedeutend damit, den erlaubten Speicher eines Prozesses bei der
Bewertung des erlaubten Speichers des Prozesses um 50% zu reduzieren.
.IP
Zur Rückwärtskompatibilität mit früheren Kerneln kann
\fI/proc/\fPPID\fI/oom_adj\fP immer noch zur Feineinstellung der
Schlechtigkeitsbewertung verwendet werden. Dieser Wert skaliert linear mit
\fIoom_score_adj\fP.
.IP
Schreiben in \fI/proc/\fPPID\fI/oom_score_adj\fP oder \fI/proc/\fPPID\fI/oom_adj\fP
führt zur Änderung des anderen mit dem skalierten Wert.
.IP
Das Programm \fBchoom\fP(1) stellt eine Befehlszeilenschnittstelle für die
Anpassung des Wertes \fIoom_score_adj\fP eines laufenden Prozesses oder frisch
ausgeführten Befehls bereit.
.SH GESCHICHTE
.TP 
\fI/proc/\fPPID\fI/oom_adj\fP (seit Linux 2.6.11)
Diese Datei kann verwendet werden, um die Bewertung anzupassen, anhand
dessen Prozesse bei Speicherknappheit (out\-of\-memory, OOM) abgebrochen
werden. Der Kernel verwendet diesen Wert für eine Bit\-Verschiebeoperation
des \fIoom_score\fP\-Werts des Prozesses: Gültig sind Werte im Bereich von \-16
bis +15, sowie der besondere Wert \-17, der einen Abbruch des Prozesses wegen
Speicherknappheit deaktiviert. Ein positiver Wert erhöht die
Wahrscheinlichkeit, dass der Prozess vom OOM\-Killer getötet wird, ein
negativer Wert senkt die Wahrscheinlichkeit.
.IP
Der Standardwert für diese Datei ist 0. Ein neuer Prozess erbt die
Einstellung \fIoom_adj\fP von seinem Elternprozess. Ein Prozess muss
privilegiert sein (\fBCAP_SYS_RESOURCE\fP), um diese Datei zu
aktualisieren. Allerdings kann ein Prozess seine eigene Einstellung
\fIoom_adj\fP selbst erhöhen (seit Linux 2.6.20).
.IP
seit Linux 2.6.36 wird die Verwendung dieser Datei gegenüber
\fI/proc/\fPPID\fI/oom_score_adj\fP missbilligt und sie schließlich in Linux 3.7
entfernt.
.SH "SIEHE AUCH"
\fBproc\fP(5), \fBproc_pid_oom_score\fP(5)
.PP
.SH ÜBERSETZUNG
Die deutsche Übersetzung dieser Handbuchseite wurde von
Martin Eberhard Schauer <Martin.E.Schauer@gmx.de>,
Dr. Tobias Quathamer <toddy@debian.org>,
Chris Leick <c.leick@vollbio.de>,
Erik Pfannenstein <debianignatz@gmx.de>
und
Helge Kreutzmann <debian@helgefjell.de>
erstellt.
.PP
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