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SYSTEMD-SYSINSTALL(8) systemd-sysinstall SYSTEMD-SYSINSTALL(8)

BEZEICHNUNG

systemd-sysinstall, systemd-sysinstall.service - Einfaches Betriebssysteminstallationsprogramm

ÜBERSICHT

systemd-sysinstall [OPTIONEN…] [BLOCKGERÄT]

systemd-sysinstall.service

BESCHREIBUNG

systemd-sysinstall ist ein einfaches terminal- und befehlszeilenbasiertes Betriebssysteminstallationswerkzeug. Sein Haupteinsatzfeld ist die Verwendung als interaktive Schnittstelle, die automatisch gestartet wird, wenn von einem Installationsmedium (z.B. einem USB-Stick) gestartet wird, um ein Betriebssystem auf eine Zielplatte zu installieren. Es kann allerdings auch direkt von einer Shell aus aufgerufen werden. Es führt die folgenden Schritte aus:

1.Es bittet den Benutzer um die Eingabe der Zielplatte, auf der das Betriebssystem installiert werden soll. (Außer wenn das Blockgerät bereits auf der Befehlszeile angegeben ist.)

2.Es überprüft, ob die Platte für eine Betriebssysteminstallation geeignet ist (d.h. groß genug und mit genug freiem/nicht partitioniertem Bereich). Falls sie grundsätzlich geeignet ist, wird der Benutzer gefragt, ob die Platte vor der Installation gelöscht werden soll oder ob das Betriebssystem zu den auf der Platte bestehenden Partitionen hinzugefügt werden soll (letzteres nur, falls genug freier/nicht partitionierter Bereich verfügbar ist).

3.Es bittet den Benutzer um die Eingabe, ob das frisch installierte Betriebssystem im Firmware-Systemstart-Optionsmenü registriert werden soll.

4.Es bittet um Bestätigung vom Benutzer, nachdem eine Zusammenfassung der geplanten Betriebssysteminstallation angezeigt wurde.

5.Es ruft den Befehl encrypt von systemd-creds(1) auf, um verschlüsselte (TPM-gesperrte, falls verfügbar) Systemzugangsberechtigungsdateien für einige, sehr grundlegende Systemeinstellungen des derzeit gestarteten Systems (Locale, Tastaturzuordnung, Zeitzone) zu erstellen, die es dann auf der Zielplatte installiert und den aufgerufenen Kernel entsprechend parametrisiert. (Oder in anderen Worten, es trifft Vorbereitungen, dass einige Einstellungen, die bereits auf dem Installationssystem wirksam sind, auch sicher auf die neue Installation weitergeleitet werden.)

6.Es ruft systemd-repart(8) mit dem Definitionsverzeichnis /usr/lib/repart.sysinstall.d/ auf (nur falls dies befüllt ist – falls nicht, wird das standardmäßige /usr/lib/repart.d/ verwendet). Dies ist zur Einrichtung der grundlegenden Betriebssystempartitionsstruktur auf der Zielplatte gedacht und kopiert grundlegende Betriebssystempartionen hinein (davon ist die /usr/-Hierarchie die wichtigste).

7.Es ruft den Befehl link von bootctl(1) auf, um ein Betriebssystem-Kernelabbild auf der ESP/XBOOTLDR der Platte zu installieren, zusammen mit den vorher vorbereiteten Zugangsberechtigungsdateien.

8.Es ruft den Befehl install von bootctl(1) auf, um das Systemstartprogramm systemd-boot(7) auf dem ESP der Zielplatte zu installieren.

9.Nach einer Bestätigung startet es das System neu.

Beachten Sie, dass die Eingabeaufforderungen/Bestätigungen über die Befehlszeile deaktiviert werden können, wodurch eine vollständig automatisierte, nicht interaktive Installation ermöglicht wird. Weiteres dazu weiter unten.

Beachten Sie, dass dieses Werkzeug den Benutzer nicht interaktiv zur Erstellung eines Benutzer oder des Passworts für Root für das Zielsystem befragt, da vermutet wird, dass diese Fragen besser innerhalb des ersten Systemstarts des frisch installierten Systems gestellt werden können, beispielsweise mittels systemd-firstboot(1) oder der Komponenten systemd-homed-firstboot.service(1). Beachten Sie, dass solche Einstellungen explizit über den Schalter --load-credential= weitergeleitet werden können, falls dies notwendig ist.

OPTIONEN

Die folgenden Optionen werden verstanden:

--definitions=

Setzt das Verzeichnis außer Kraft, aus dem systemd-repart(8) seine Partitionsdefinitionen lesen soll, anstelle der Vorgabe /usr/lib/repart.sysinstall.d/.

Hinzugefügt in Version 261.

--welcome=

Akzeptiert ein logisches Argument. Steuert, ob der kurze Willkommensmeldungstext, der normalerweise bei Beginn der Installation angezeigt wird, dargestellt werden soll. Standardmäßig »true«.

Hinzugefügt in Version 261.

--chrome=

Akzeptiert ein logisches Argument. Steuert, ob oben und unten auf der Terminal-Schnittstelle farbige Balken angezeigt werden. Standardmäßig »true«.

Hinzugefügt in Version 261.

--erase=

Akzeptiert ein logisches Argument. Steuert, ob die aktuellen Inhalte der Zielplatte gelöscht werden sollen. Falls dieser Schalter nicht verwandt wird, wird der Benutzer gefragt.

Hinzugefügt in Version 261.

--confirm=

Akzeptiert ein logisches Argument. Steuert, ob der Benutzer interaktiv um Bestätigung gefragt werden soll, bevor die Betriebssysteminstallation eingeleitet wird. Standardmäßig »true«.

Hinzugefügt in Version 261.

--reboot=

Akzeptiert ein logisches Argument. Steuert, ob das System nach Abschluss der Installation neu gestartet werden soll. Standardmäßig »false«.

Hinzugefügt in Version 261.

--variables=

Akzeptiert ein logisches Argument. Steuert, ob das installierte Systemstartprogramm in der Systemstart-Optionsdatenbank der Firmware registriert werden soll. Falls nicht verwandt, wird der Benutzer gefragt.

Hinzugefügt in Version 261.

--summary=

Akzeptiert ein logisches Argument. Steuert, ob eine Zusammenfassung der getroffenen Auswahlen angezeigt werden soll, bevor um Bestätigung zum Fortfahren mit der Betriebssysteminstallation gebeten wird. Standardmäßig »true«.

Hinzugefügt in Version 261.

--kernel=

Akzeptiert einen Pfad zu einem vereinigten Kernelabbild (UKI). Wählt das auf der Zielplatte zu installierende Kernelabbild explizit aus. Falls nicht verwandt, wird das derzeit gestartete Kernelabbild auf der Zielplatte installiert.

Hinzugefügt in Version 261.

--set-credential=Kennung:Wert

Akezeptiert eine zusätzliche zu verschlüsselnde Systemzugangsberechtigung (mit einem Schlüssel, der im lokalen TPM, falls verfügbar, erstellt wird und ansonsten dem Null-Schlüssel) und legt sie neben dem installierten Kernelabbild in der ESP ab. Dies kann zur Parametrisierung des installierten Kernels mit beliebigen Systemzugangsberechtigungen benutzt werden. Verwenden Sie diesen Schalter nicht für schützenswerte Daten (wie Passwörter), verwenden Sie das weiter unten beschriebene --load-credential= stattdessen. Kann mehrfach verwandt werden, um mehrere Zugangsberechtigungen zu konfigurieren.

Beachten Sie, dass drei Systemzugangsberechtigungen auf eine ähnliche Art an das Zielsystem weitergeleitet werden: die Locale, die Tastaturbelegung und die Zeitzone. Dies kann über die nachfolgend beschriebenen entsprechenden Optionen --copy-locale=, --copy-keymap= und --copy-timezone= gesteuert werden.

Lesen Sie systemd.system-credentials(7) für eine Liste der gut bekannten Systemzugangsberechtigungen, die auf diese Art weitergeleitet werden können. (Beachten Sie, dass Sie beliebige Zugangsberechtigungen auf diese Art übergeben können, die von einem beliebigen Dienst Ihrer Wahl über die normale System-Zugangsberechtigungslogik benutzt werden kann.)

Hinzugefügt in Version 261.

--load-credential=Kennung:Pfad

Ähnlich zu --set-credential=, liest aber die Zugangsberechtigungen aus einer Datei auf Platte oder einem AF_UNIX-Socket im Dateisystem. Für vertrauliche Daten wird dies im Allgemeinen empfohlen.

Hinzugefügt in Version 261.

--copy-locale=, --copy-keymap=, --copy-timezone=

Diese Optionen akzeptieren logische Parameter. Sie steuern, ob die angezeigten Systemeinstellungen vom aktuell laufenden System in die neue Zielbetriebssysteminstallation weitergeleitet werden sollen. Diese Optionen sind standardmäßig »true«.

Typischerweise sind diese drei Einstellungen die minimalen Einstellungen, die während der frühen Systemstartphase eines Installationsmediums konfiguriert werden müssen, damit der Benutzer auf das Installationswerkzeug zugreifen kann. Das Werkzeug systemd-firstboot(1) kann dazu verwandt werden, den Benutzer interaktiv abzufragen, wenn das Betriebssysteminstallationsmedium für diese Eigenschaften gestartet wird. Indem diese Eigenschaften auf die Zielinstallation über Systemzugangsberechtigungen weitergeleitet werden, müssen sie beim ersten Systemstart der neuen Installation nicht erneut abgefragt werden.

Hinzugefügt in Version 261.

--mute-console=

Akzeptiert ein logisches Argument. Steuert, ob Kernel- und Diensteverwalter-Protokollausgabe auf die Konsole, von der das Installationsprogramm aus aufgerufen wird, temporär während der Ausführung deaktiviert wird, um das Vermischen von Ausgaben zu vermeiden. Standardmäßig »false«.

Hinzugefügt in Version 261.

-h, --help

Zeigt einen kurzen Hilfetext an und beendet das Programm.

--version

Zeigt eine kurze Versionszeichenkette an und beendet das Programm.

EXIT-STATUS

Bei Erfolg wird 0 zurückgegeben und anderenfalls ein Fehlercode ungleich Null.

BEISPIEL

Beispiel 1. Aufruf des Werkzeugs für eine vollautomatische nichtinteraktive Betriebssysteminstallation

systemd-sysinstall \

/dev/disk/by-id/nvme-Micron_MTFDKBA1T0TFH_214532D0CDA5 \
--erase=yes \
--confirm=no \
--variables=yes \
--load-credential=ssh.authorized_keys.root:my-ssh-key

Dies installiert das Betriebssystem auf der ausgewählten Platte, löscht alle vorherigen Inhalte ohne Rückfrage, registriert es in der Firmware und legt den SSH-Schlüssel für den Benutzer root ab, der aus der Datei my-ssh-key im aktuellen Verzeichnis ausgelesen wurde.

SIEHE AUCH

systemd(1), systemd-creds(1), systemd-repart(8), bootctl(1), systemd-firstboot(1), systemd-boot(7), systemd.system-credentials(7)

ÜBERSETZUNG

Die deutsche Übersetzung dieser Handbuchseite wurde von Helge Kreutzmann <debian@helgefjell.de> erstellt.

Diese Übersetzung ist Freie Dokumentation; lesen Sie die GNU General Public License Version 3 oder neuer bezüglich der Copyright-Bedingungen. Es wird KEINE HAFTUNG übernommen.

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